(1) Ansatzpunkte zur Vernetzung von Wertschöpfungsketten in der Logistik
von Patrick Ploenes
Der Einzug der Informationstechnologie in der Logistik bringt
vor allem eine wesentliche Neuerung: Sie ermöglicht eine weitaus einfachere
Vernetzung der Prozessketten. Aus dieser Perspektive heraus sind Unternehmen in den letzten Monaten und
Jahren mit neuen Produkten und Geschäftsmodellen auf den Markt getreten. Hier sind in erster Linie zu nennen:
- Telematikdienstleister
- Transportmarktplätze
- Prozessintegratoren
- Fourth Party Logistics Provider
In welchem Verhältnis stehen diese neuen Akteure zum Spediteur,
der als "Third Party Logistics Provider" (3 PL) in erster Linie Transporte organisiert, bündelt und damit in der Wertschöpfungskette zwischen Verladern und Frachtführern positioniert?
Grundsätzlich lassen sich zwei Ansätze unterscheiden:
- Dienstleister, die sich in das traditionelle Wertschöpfungsgefüge Verlader - Spediteur - Frachtführer einfügen (Telematikdienstleister und Prozessintegratoren)
- Dienstleister, die das traditionelle Gefüge in Frage stellen (Transportmarktplätze, Fourth Party Logistics Provider)
Telematikdienstleister und Prozessintegratoren
Telematikdienstleister und Prozessintegratoren gehören zur
ersten der genannten Kategorie, sie fügen sich in die vorhandenen
Wertschöpfungsketten ein. So sorgen z. B. Fleetboard von DaimlerChrysler für Visibilität in der Transportkette, indem sie die Fuhrparkflotte an das Dispositionssystem des
Logistikdienstleisters anbinden. Sie verbessern damit die Planungs- und Entscheidungsgrundlagen des Disponenten sowie
die effiziente Transportabwicklung. Erlöse erzielen die meisten Telematikdienstleister über den Verkauf der
Hardware und über feste oder variable monatliche Gebühren.
Prozessintegratoren fokussieren auf die administrative
Abwicklung innerhalb der Transportkette. Firmen wie Descartes oder Axit (Weborder) gewährleisten den reibungsfreien
Austausch von Informationen, indem sie Daten der beteiligten Transaktionspartner in die jeweils nötigen Datenformate übersetzen und so eine Kompatibilität zwischen den
verschiedenen Softwaresystemen herstellen. Neben der Vermeidung von Medienbrüchen und der damit verbundenen
Reduzierung von Eingabefehlern und Mehrfacheingaben bieten Prozessintegratoren einen weiteren Vorteil: Sie gewährleisten die Skalierbarkeit des Systems und bilden damit die
Voraussetzung für die Evolution von der Wertschöpfungskette
(1:1-Beziehung) zu einem Wertschöpfungsnetzwerk (Many-to-Many-Beziehung). Diese Ausbaufähigkeit bezieht sich nicht
nur auf die Anzahl der Marktteilnehmer, sondern auch auf die Anzahl der Prozesse. So können an diese Infrastrukturen
etwa Clearing-Funktionalitäten angebunden werden, durch die sich der Transportvorgang direkt fakturieren lässt.
Prozessintegratoren erzielen ihre Einnahmen durch eine Transaktionsgebühr, die sich an der Zahl der Transaktionen orientiert, und weniger durch die Systemanbindung.
Transportmarktplätze und Fourth Party Logistics Provider
Im Gegensatz zu Telematikanbietern und Prozessintegratoren
greifen Transportmarktplätze und Fourth Party Logistics (4 PL) direkt in die Wertschöpfungsbeziehungen ein. Dabei
ähnelt der 4 PL, verstanden als "non-asset based logistics
provider" mit hoher IT-Kompetenz, in vielerlei Hinsicht dem
3 PL. Wertschöpfung wird bei beiden durch Bündelungspotenziale generiert und über eine Marge kapitalisiert. Der Fokus
des 4 PL liegt jedoch mehr in der Bündelung von Einkaufsmacht verschiedener Verlader, als in der Bündelung von
Frachtkapazitäten, wie dies bei den 3 PL der Fall ist. Innerhalb der Wertschöpfungskette schiebt sich der 4 PL damit vor dem 3 PL, was auch die engen Anbindungen an den
Verlader belegt. Zusätzlich führt der 4 PL Transporte mit Hilfe von Planungssoftware, z. B. dem Transportation Modeler's
von i2, auf intelligente Art und Weise durch.
Höhere Anforderungen der Verlader an die Lieferqualität
werden dazu führen, dass sich der moderne Logistikdienstleister immer mehr in Richtung Fourth Party Logistics
Provider entwickelt. Beide Konzepte haben ihre Berechtigung - letztendlich kann kein 4 PL ohne einen 3 PL existieren.
Ein anderes Geschäftsmodell findet sich bei den
Transportmarktplätzen. Durch ihre Funktion als Börse, brechen diese
Transportmarktplätze bestehende Wertschöpfungsbeziehungen in der Phase der Preis- und Mengenbildung auf. Sie schieben
sich damit zwischen Spedition und Frachtführer oder ersetzten diese ganz (Disintermediation), indem sie eine
direkte Verlader - Frachtführerbeziehung herstellen. Erlöse generiert der Transportmarktplatz durch die bei der
Frachtvermittlung anfallenden Provisionen. Er macht sich dabei die
Transparenz zunutze, die eine zentrale Plattform in der stark fragmentierten Branche der Frachtanbietern und
-nachfragern bietet. Die eigentliche Wertschöpfung erzielt der Marktplatz daher nicht durch die Konsolidierung von
Frachten, sondern durch das Matching gleichartiger Frachtgesuche und -angebote.
Wie sich ein neuer Spieler der Logistikbranche weiter
entwickeln, bleibt abzuwarten. Die Marktbereinigung im Bereich der Transportmarktplätze zeigt, welcher Dynamik solche
Geschäftsmodelle ausgesetzt sind.
[ Der Autor: Patrick Ploenes, Consultant, KPMG Consulting AG in Düsseldorf / Supply Chain Management ]
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(3) Studie: "eProcurement - Von der Vision zur Wirklichkeit"
E-Procurement kann durch Kostensenkungen bei Einkaufspreisen
und durch Automatisierung von Beschaffungsprozessen entscheidende Wettbewerbsvorteile für Unternehmen schaffen. Viele
Unternehmen haben das schon erkannt. Die Studie "eProcurement
- Von der Vision zur Wirklichkeit" von Arthur Andersen Business Consulting zeigt jedoch, dass die großen
Einsparpotentiale bisher nur ansatzweise ausgeschöpft werden? Eine
große Chance für innovative Unternehmen.
Die Nutzung von elektronischen Beschaffungssystemen ist
sprunghaft gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der
Unternehmen mit elektronischen Katalogsystemen von 25 auf 50 Prozent verdoppelt. Die Nutzung von elektronischen
Marktplatzsystemen hat sich mit 36 Prozent sogar verdreifacht und auch
der Einsatz von elektronischen Ausschreibungen und Auktionen hat sich verdoppelt, wie die Studie von Arthur Andersen Business
Consulting zeigt.
Entscheidend für die Nutzung von E-Procurement ist offenbar die
Größe des Unternehmens: Während die großen Unternehmen die
elektronische Beschaffung schon weitestgehend einsetzen, zeigt die
Studie bei kleineren Mittelständlern Zurückhaltung. "Aber auch
diese Unternehmen beobachten den Markt stark und schließen eine
spätere Nutzung nicht aus", sagt Jan Stratmann, Geschäftsführer
bei Arthur Andersen Business Consulting.
Obwohl E-Procurement längst eine praxisrelevante Management-Methode ist, schöpfen die Unternehmen bei weitem nicht alle
Potenziale aus. Größtes Hindernis ist, dass die elektronische Beschaffung heute nur für kleine Ausschnitte des
Beschaffungsspektrums genutzt wird. Eingesetzt werden E-Procurement-Lösungen,
insbesondere elektronische Katalog-Management-Systeme, vor allem für indirekte Güter, also Waren, die nicht in die
Produktion eingehen. Überwiegend werden geringwertige Güter beschafft. Wie die Studie zeigt, liegt die Quote hier bei nur
25 Prozent des Bedarfs. Dagegen werden hochwertige Güter und Dienstleistungen, also gerade die Bereiche, bei denen
signifikante Einsparungen zu erzielen wären, bisher nur zögerlich mit Hilfe von E-Procurement eingekauft.
Durch E-Procurement lassen sich die Kosten der Beschaffung
reduzieren und die Prozesse optimieren, insbesondere auch das Lieferantenmanagement. Die investierten Kosten amortisieren
sich in der Regel rasch innerhalb von zwei Jahren. Denn Unternehmen, die E-Procurement-Systeme bereits einsetzen,
äußerten sich in der Umfrage überwiegend positiv. Rund 90 Prozent haben dadurch Kosten reduziert: 30 Prozent beim
Beschaffungsprozess und 5 Prozent durch Preiseinsparungen beim Einkauf. Werden diese Verbesserungen in den Unternehmen auf
eine breite Basis gestellt, also mehr Produkte in höherer Stückzahl über E-Procurement eingekauft, sind erfahrungsgemäß
Verbesserungen des Unternehmensergebnisses zu erzielen, die sonst nur durch einen Umsatzsprung zu erzielen wären.
Die Einführung von E-Procurement hat großen Einfluss auf die
Arbeit der Beschaffungsabteilungen. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, ihre operativen Beschaffungseinheiten
zu reduzieren, während sie die strategische Beschaffung stark ausbauen wollen. Dabei werden sie Aufgaben wie Marktforschung,
Lieferantenmanagement, Prozessdesign, Ausschreibungen oder Controlling stark forcieren.
Zuvor sind allerdings Hürden zu überwinden: Rund 50 Prozent
der Unternehmen nannten Implementierungs-Probleme wie die Integration der Systeme in ihre Materialwirtschaft und
Finanzsysteme oder die Einbindung der elektronischen Kataloge. Aus
Sicht der Unternehmen lag dies oft auch an dem Mangel von qualifiziertem Personal. Die Komplexität beim Entwickeln des
Konzeptes und beim späteren Umsetzen wurde von vielen Unternehmen unterschätzt und führte häufig zur Kostenexplosion bei
den Projekten. Oft genannte Barriere waren auch Lieferanten, die noch nicht E-Procurement-fähig sind und dadurch als
Handelspartner ausfallen. Auch menschliche Probleme spielen eine große Rolle. 21,5 Prozent der Unternehmen gaben an, dass
ihre Mitarbeiter die Systeme nur zögernd akzeptieren. Ein Fehler, der in der Konzeptionsphase angelegt wird: Die Studie
zeigt, dass nur ein Drittel der Unternehmen die späteren Anwender in dieser Phase
miteinbezog.
Eine weitere Hürde bei der Einführung von E-Procurement
besteht in der Qualität der verfügbaren Systeme. Die befragten
Unternehmen wünschen sich von diesen E-Procurement-Lösungen mehr Flexibilität, um diese Systeme einfacher an die
unternehmensspezifischen Anforderungen anzupassen. Der E-Procurement-Software-Markt wird von SAP mit rund 60 Prozent Marktanteil
dominiert. Den übrigen Markt teilen Anbieter wie Ariba, CaContent, Commerce One, Healy-Hudson und viele kleinere
Nischenanbieter unter sich auf.
Die Studie fasst die Erfahrungen der Studienteilnehmer und
von Arthur Andersen abschließend zusammen und spricht eine Reihe von Handlungsempfehlungen aus, wie Unternehmen E-Procurement Systeme implementieren oder bestehende Systeme
optimieren sollten. Beispielsweise sollten Unternehmen demnach dem technischen Ansatz eine ganzheitliche Konzept-Lösung
vorziehen, bei der Beschaffungsstrategie, Lieferantenmanagement,
Prozesse und Einkaufsorganisation gleichermaßen optimiert werden. Erfahrungsgemäß bringt diese Vorgehensweise gegenüber
den rein technologiegetriebenen Implementierungen die weit höheren Einsparungserfolge.
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