Hrsg. Armin Pulic
 

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procurementLETTER Nr. 7/2002

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p r o c u r e m e n t L E T T E R


2. Jahrgang, Nr. 7/2002
11. Juli 2002

Deutsche Bibliothek
ISSN 1618-5862

  
... AUS DEM INHALT DIESER AUSGABE...
  1. Was ist "Factoring" und warum verwenden es immer mehr Lieferanten?
  2. Umfrage des Monats: "Wie beurteilen Sie die Effizienz des Bestellablaufs für A-Teile in Ihrem Unternehmen?"
  3. Transparency International Bribe Payers Index 2002
  4. Veranstaltungstipps


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(1) Was ist "Factoring" und warum verwenden es immer mehr Lieferanten?
          von Armin Pulic

Immer mehr Lieferanten, insbesondere mittelständische Unternehmen, setzen das Factoring ein. Warum ist das so und was passiert eigentlich beim Factoring?

Wie funktioniert Factoring?

Beim Factoring verkauft der Erbringer einer Leistung (z. B. ein Zulieferer der Automobilindustrie) seine Geldforderung gegen den Empfänger der Leistung (z. B. den Automobilhersteller) an einen Factor.

Dabei informiert der Lieferant (Factoringkunde) seine Abnehmer darüber, dass die Forderungen an den Factor verkauft wurden und der Rechnungsbetrag an diesen zu zahlen ist; dabei prüft der Factor vor Vertragsabschluss und fortlaufend die Bonität der Abnehmer und übernimmt im Rahmen eines vereinbarten Limits das volle Ausfallrisiko (Delkredereschutz).

Der Factor bezahlt dem Leistungserbringer unmittelbar bis zu 90 % seiner Forderung. Der Erbringer der Leistung verfügt damit über sofortige Liquidität. Sofern es sich um ein Full-Service Verfahren handelt, muss er sich um die Debitorenbuchhaltung und das Inkasso nicht mehr kümmern. Die verbleibenden ca. 10 % bis 15 % des Kaufpreises behält der Factor zunächst als Sicherheit für Skontoabzüge oder Mängelrügen ein. Dieser
Sicherheitseinbehalt wird dem Factorkunden bei Zahlung durch den Abnehmer (Debitor) oder bei Fälligkeit gutgeschrieben.

Daneben gibt es auch noch das sogenannte "Stille Factoring". Dabei tritt der Factor gegenüber dem Schuldner nicht in Erscheinung. Der Factoringkunde nutzt die Leistungen des Factors, ohne dass sein Abnehmer dies erfährt. In Deutschland wird diese stille Form des Factoring eher weniger praktiziert.

Warum ist Factoring im kommen?

Voraussichtlich Ende 2006 werden die neuen Richtlinien für die Eigenkapitalunterlegung von Krediten verbindlich, die der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht zur Zeit vorbereitet. Durch "Basel II" werden die gesetzlichen Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung nicht nur am Volumen der ausgegebenen Kredite ausgerichtet, sondern auch am Ausfallrisiko des Kreditkunden. Je höher die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls, desto höher muss ein Kredit mit Eigenkapital unterlegt werden.

Die Banken sind künftig verpflichtet, die Bonität ihrer Kreditkunden in einem methodisch nachvollziehbaren Verfahren (Rating) einzuschätzen. Dies wird nicht nur Auswirkungen auf die Kreditvergabe haben, sondern auch auf die Kredit-Konditionen. Denn die Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital verursacht Kosten.

Bereits im Vorfeld von Basel II klagen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, dass die Banken bei der Kreditvergabe zunehmend zurückhaltender werden. Liquide zu bleiben wird für diese Unternehmen zur Überlebensfrage. Hinzu kommt, dass auch die Zahlungsmoral in Deutschland zurückgegangen ist.

Die Schere zwischen eigenen Zahlungsverpflichtungen und ausbleibenden Zahlungen hat im vergangenen Jahr zu einer beispiellosen Insolvenzwelle geführt. Rund 33.000 Unternehmen allein in Deutschland waren betroffen. Monika Loock-Weber, Geschäftsführerin der PB Factoring GmbH, analysiert die Gründe: "In zwei Dritteln aller Fälle waren kurzfristige Liquiditätsengpässe die Ursache, häufig dadurch bedingt, dass Unternehmen zwar Leistungen erbrachten, anschliessend aber von ihren Abnehmern keine Zahlungen erhielten."

Für Loock-Weber spielt das Factoring eine Schlüsselrolle bei der Liquiditätssteuerung von Unternehmen. "Durch Factoring kann ein Unternehmen sich ein eigenes Debitorenmanagement sparen und ist weniger anfällig für Insolvenzen seiner Kunden. Durch die sofort verfügbare Liquidität kann es seinerseits Verbindlichkeiten abbauen und zum Beispiel als Barzahler zusätzliche Skonti und Rabatte aushandeln. Die Kreditlinien sind dadurch frei für andere Finanzierungsbedürfnisse."

Factoring ist in Deutschland noch wenig verbreitet. Während im europäischen Durchschnitt bereits 4 % des Bruttoinlandproduktes mittels Factoring finanziert werden, ist es in Deutschland erst rund 1 %.

Für wen eignet sich das Factoring?

Nach Informationen des Deutschen Factoring-Verband e. V. ist Factoring für Hersteller, Grosshandel und Dienstleister zahlreicher Branchen geeignet, sowohl für den inländischen als auch für den grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr (Ausnahmen: Bausektor, Spezialmaschinenbau). Voraussetzung ist, dass es sich um gewerbliche Abnehmer handelt und dass den Forderungen voll erbrachte Leistungen zugrundeliegen. Aus Gründen der Rentabilität sollten die Factoringkunden einen Jahresumsatz von mehr als 1 Mio. Euro aufweisen.

Welche Vorteile hat der Lieferant durch Factoring?

Factoring ist neben dem Leasing eines der wirksamsten Mittel, Liquiditätsengpässen vorzubeugen - beispielsweise durch den Abbau der Aussenstände, hundertprozentige Sicherheit vor Zahlungsausfällen (Delkredereschutz), und weitere. Aber das ist nur einer der Vorteile. Denn durch die Übernahme von Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkasso bekommt der Lieferant mehr Freiraum, sich um seine eigentlichen Aufgaben zu kümmern: den Einkauf, die Produktion oder die Erbringung der Dienstleistung und den Vertrieb. Der Schutz vor Forderungsausfällen erhöht darüber hinaus die Planungssicherheit.

Ein angenehmer Nebeneffekt beim Factoring: verkaufte Forderungen scheiden aus der Bilanz des Unternehmens aus. Der Kaufpreis, den der Factor für die Forderungen bezahlt, kann für die Bezahlung von Verbindlichkeiten genutzt werden. Dadurch wird die Bilanzsumme reduziert, was zu einer Verbesserung der Eigenkapitalquote und anderer Bilanzkennziffern führt und damit das Rating des Unternehmens gleichzeitig verbessert. Das Rating wird aber auch dadurch besser, dass Ausfallrisiken eliminiert werden.

 


(2) Umfrage des Monats

Nehmen Sie aktiv an der aktuellen Umfrage teil und beantworten Sie die folgende Frage:

     "Wie beurteilen Sie die Effizienz des Bestellablaufs für A-Teile in Ihrem Unternehmen?"

Ihr Stimme können Sie unter www.procurementLETTER.de jetzt anonym abgeben. 

Das Ergebnis der letzten Umfragen finden Sie unter www.procurementletter.de/archiv


(3) Transparency International Bribe Payers Index 2002

Transparency International (TI), die weltweite Organisation gegen Korruption, hat den aktuellen Bribe Payers Index (BPI) 2002 veröffentlicht, in dem sich Deutschland im Mittelfeld (Rang 9) bewegt. Dieser zeigt ein hohes Ausmass an Bestechung in Schwellenländern durch Unternehmen aus Russland, China, Taiwan und Südkorea. Auch Firmen zahlreicher führender Industrienationen schmieren im Ausland, obwohl in diesen
Ländern mittlerweile Gesetze verabschiedet worden sind, die die Zahlung von Bestechungsgeldern an ausländische Amtsträger unter Strafe stellen. "Diese Gesetze werden nicht konsequent umgesetzt. Unsere neue Studie lässt keinen Zweifel daran, dass viele multinationale Unternehmen auch der reichsten Staaten kriminelle Wege gehen, um Verträge auf den Märkten der wichtigsten Schwellenländer abzuschließen," sagte Peter Eigen, der Aufsichtsratsvorsitzende von TI.

Der ideale Wert beträgt 10.0 und würde darauf hinweisen, dass keinerlei Bereitschaft für Bestechung wahrgenommen wurde. Somit beginnt die folgende Rangliste mit Unternehmen der Länder, in denen eine niedrige Bereitschaft für Bestechungsgelder im Ausland wahrgenommen wurde. Die Untersuchungsdaten deuten darauf hin, dass einheimischen Unternehmen in den 15 befragten Schwellenländern eine sehr hohe Bereitschaft zur
Zahlung von Bestechungsgeldern aufweisen - höher als die der ausländischen Firmen.

Rang Land Wert
1 Australien 8.5
2 Schweden
Schweiz
8.4
8.4
4 Österreich 8.2
5 Kanada 8.1
6 Niederlande
Belgien
7.8
7.8
8 Großbritannien 6.9
9 Singapur
Deutschland
6.3
6.3
11 Spanien 5.8
12 Frankreich 5.5
13 USA
Japan
5.3
5.3
15 Malaysia
Hong Kong
4.3
4.3
17 Italien 4.1
18 Südkorea 3.9
19 Taiwan 3.8
20 VR China 3.5
21 Russland 3.2

Einheimische Unternehmen 1.9 
 


(4) Veranstaltungstipps
  • 10.09.2002 in Nürnberg (BME - Region Nürnberg-Mittelfr.): "Wissensmanagement in Theorie und Praxis"
    Info-Mail: info@bme-rnm.de
  • 25. - 26.09.2002 in Düsseldorf (IBS Strache GmbH): "Internet-Trends für den Einkauf - Intensivüberblick zu allen Aspekten des E-Procurement"
    Info-Telefon (0 62 51) 97 06 44
  • 25. – 27.09.2002 Donau-Universität Krems: "5. Neues Österreichisches Einkaufsleiterforum"
    Info-Telefon (+43) 2732 893-2308

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Bis zur nächsten Ausgabe am 8. August 2002.

Herzliche Grüsse

Ihr

Armin Pulic (Hrsg.)
www.procurementLETTER.de

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