Hrsg. Armin Pulic
 

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procurementLETTER Nr. 5/2002

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p r o c u r e m e n t L E T T E R


2. Jahrgang, Nr. 5/2002
8. Mai 2002

Deutsche Bibliothek
ISSN 1618-5862

  
... AUS DEM INHALT DIESER AUSGABE...
  1. Vom E-Procurement zum Supplier Relationship Management
  2. Glosse: "Mitarbeitermotivation einmal anders!"
  3. Umfrage des Monats: "Nach welchem Zeitraum erwarten Sie bei einem E-Procurement-System die Amortisierung?"
  4. IIR eProcurement Award - The winner is...


Der kostenlose procurementLETTER liefert Fachinformationen rund um Einkauf, Beschaffung, (E-) Procurement an derzeit über 2.500 Abonnenten...


(1) Vom E-Procurement zum Supplier Relationship Management
          von Lutz Kiefer (Vorbemerkung von Armin Pulic)

In den letzten Monaten ist unsere schöne "neue" Welt erneut um einen Begriff erweitert worden, den man mit der mysteriösen Buchstabenkombination SRM abkürzt.

SRM steht für "Supplier Relationship Management", zu Deutsch also "Lieferanten Beziehungsmanagement".

"Internet Software Hersteller verwenden den Begriff des SRM oft stark vereinfacht für internetbasierte Beschaffung. Supplier Relationship Management unterscheidet sich aber von E-Procurement dadurch, dass es nicht nur die operativen Geschäftsabläufe betrachtet, sondern auch strategische Beschaffungsaufgaben wie Strategieentwicklung, Outsourcingentscheidungen, Lieferantenintegration und Materialgruppenmanagement unterstützt." so Dr. Daniel Corsten und Joerg S.Hofstetter von der Universität St. Gallen.

Aber wie sieht nun der Weg von E-Procurement zum Supplier Relationship Management aus?

Supply Networks als Form der elektronischen Beschaffung

Im klassischen Einkauf sind die Rollen von Einkäufer und Lieferant klar definiert, das Verhältnis in der Regel antagonistisch geprägt. Dieses Prinzip wurde zunächst auch bei der Entwicklung von E-Procurement-Systemen weiter verfolgt. Zweifellos werden dadurch auch neue Möglichkeiten in der Beschaffung eröffnet, doch wird bei der Entwicklung der diversen Systeme noch fast ausschließlich durch die Brille der einkaufenden Unternehmen geschaut, weshalb der Grundgedanke dabei immer der gleiche blieb: die Möglichkeiten des Internet dazu nutzen, mehr Druck auf Lieferanten auszuüben und dadurch günstigere Konditionen zu erzielen. In einer weiterentwickelten, elektronischen Zusammenarbeit von einkaufenden Unternehmen und Lieferanten liegt jedoch noch ein gewaltiges Einsparpotenzial.

E-Procurement-Lösungen und ihre unbestreitbaren Erfolge in vielen Bereichen gaben den Anstoß, nach weiteren Möglichkeiten der Kostensenkung zu suchen. Mittlerweile werden diverse Szenarien entworfen, um eine Senkung von Material- und Prozesskosten zu erzielen, denn die stetige Weiterentwicklung von E-Procurement-Systemen hat auch neue Potenziale aufgezeigt. Diese erfordern im Unterschied zum herkömmlichen E-Procurement ein Umdenken innerhalb der Unternehmen, eröffnen den Einkaufsabteilungen andererseits aber auch neue Gestaltungsmöglichkeiten. Eines dieser Potenziale liegt in der Zusammenarbeit im Beschaffungswesen über Unternehmensgrenzen hinweg zu einer gemeinsamen Prozesskostensenkung und Qualitätssteigerung durch Vernetzung der beteiligten Unternehmen.

Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg

Neben dem klassischen Einkaufs-Gedanken, das beste Produkt zum günstigsten Preis zu beschaffen, gilt es für den Einkauf auch, Aspekte zu berücksichtigen, die nicht vordergründig monetärer Natur, für einen reibungslosen Beschaffungsprozess als Teil der Supply Chain jedoch entscheidend sind. Hierzu gehören insbesondere Faktoren wie Zuverlässigkeit, Produktqualität und weitergehende Serviceleistungen, die sich längerfristig in Form von Kostensenkung und Kundenzufriedenheit bezahlt machen.

Seit einigen Jahren erkennen Unternehmen diese strategische Bedeutung ihrer Lieferanten und versuchen, Lieferantenressourcen effektiver zu nutzen. Dabei machen sie jedoch meist die Erfahrung, dass zur effektiven Integration der Prozesse mit Lieferanten neue Ansätze vor allem im Bereich der Kommunikationsprozesse bei der Beschaffung erforderlich sind.Eine solche Veränderung der Beschaffungsstruktur mit einem Höchstmaß an gegenseitiger Information in den einkaufenden Unternehmen und über die Firmengrenzen hinweg mit Lieferanten, erfordert hocheffiziente Methoden zur Bewältigung des Kommunikationsablaufes im kollaborativen Beschaffungsprozess.

So wie sich das Customer Relationship Management (CRM) auf Kundenbeziehungen ausrichtet, gestaltet das Supplier Relationship Management (SRM) diese Beziehungen zu den Lieferanten eines Unternehmens proaktiv über alle Geschäftsbereiche. Durch die so verbesserte Zusammenarbeit intern und über die Firmengrenzen hinweg können Produkte besser, schneller und kosten optimiert beschafft werden.

Mit den heutigen Möglichkeiten der E-Procurement Systeme auf Internetbasis, können Kommunikationswege von Lieferanten und Kunden neu strukturiert und zusammengesetzt werden, so dass nicht nur Organisationen innerhalb eines Unternehmens sondern auch verschiedene, örtlich getrennte Organisationen informationstechnisch miteinander vernetzt werden. Diese Vernetzung verbessert die Qualität des Beschaffungsprozesses durch Kollaboration und senkt die Materialkosten im Konsens der Beteiligten beispielsweise durch besseres Verständnis der Beschaffungsinhalte.

Die Möglichkeiten des Internet erlauben im Beschaffungswesen diesen Schritt von bilateralen Lieferantenbeziehungen zu netzwerkartigen, den sogenannten Supply Networks.

Möglichkeiten der Kostensenkung Beschaffungsprozesse in Supply Networks

  • Ermittlung des Nachfragetrends - Die zu Beschaffungszwecken vernetzten Unternehmen informieren sich gegenseitig über geplante Beschaffung. Das Unternehmen trifft so die Entscheidung, ob es sich der temporären Kooperation anschließt.
  • Effiziente Erschließung von Zulieferquellen - Jedes teilnehmende Unternehmen bringt seine qualifiziertesten Lieferanten in das Supply Network mit ein, so dass ein bestmöglicher Lieferantenpool generiert wird.
  • Strukturierte Beschaffung und Verarbeitung von Informationen - Quantitative und qualitative Lieferanteninformationen werden zur Ermittlung des optimalen Preis-/Leistungsverhältnisses miteinbezogen. Im Rahmen eines Collective Buying steigt hier der Wert der Informationen mit der Teilnehmerzahl.
  • Koordination gemeinsamer Lieferantenprozesse - Lieferantenprozesse wie Rüstzeiten, Produktion und Logistik können mit durchgängiger Koordinierung des Beschaffungsvorganges optimiert werden.
  • Strategisches Controlling der Lieferantenbeziehung Vor dem Hintergrund eines sich immer wieder verändernden Lieferantenumfelds können vorausschauend neue Erfolgspotenziale erarbeitet werden.
  • Konstruktives Feedback-System

[ Der Autor: Lutz Kiefer, Manager Public Relations, ONVENTIS GmbH, www.onventis.de, ist ein Software-Hersteller und Dienstleister auf dem Gebiet E-Procurement. Als Procurement Service Provider bietet ONVENTIS umfassende Procurement Lösungen zur Optimierung sämtlicher B2B Beschaffungs- und Vertriebsprozesse von A-, B- und C-Gütern. ]


(2) Glosse: "Mitarbeitermotivation einmal anders!"
          von Armin Pulic

In diesen Zeiten benötigt manch ein Angestellter etwas mehr Motivation, um Höchstleistungen zu vollbringen. Ein schöner Song auf den Lippen hilft da sicherlich.

Eigentlich ist uns Motivation (oder gar Propaganda) in Liedform eher von japanischen Unternehmen und aus dem Kommunismus bekannt.

Aber weit gefehlt! In Unternehmen wie IBM, Deutsche Bank, PriceWaterhouseCoopers (PWC) oder KPMG gehören geniale Musik mit noch genialeren Songtexten zum Standardrepertoire, wenn es um die Steigerung der köperlichen und geistigen Leistung der Mitarbeiter geht. Zumindest drängt sich dieser Gedanke auf, wenn man Chris Raettig's Sammlung "Corporate Anthems" (zu Deutsch etwa: "Unternehmenshymnen") im Internet unter www.zdnet.co.uk/specials/2002/it-anthems/ entdeckt: Derzeit findet man dort über 25 dieser Hymnen zum kostenlosen anhören und herunterladen.

Beim flotten "Downright Global" (PWC) erwischte ich mich selbst beim rhythmischen wippen mit dem Fuß und bei "Our vision of global strategy" (KPMG) könnte man sogar, eine/n Tanzpartner/in vorausgesetzt, eine Blues aufs Parkett legen...

Viel Spass beim tanzen oder mitsingen!


(3) Umfrage des Monats

Nehmen Sie aktiv an der aktuellen Umfrage teil und beantworten Sie die folgende Frage:

     "Nach welchem Zeitraum erwarten Sie bei einem E-Procurement-System die Amortisierung?"

Ihr Stimme können Sie unter www.procurementLETTER.de jetzt anonym abgeben. 

Das Ergebnis der letzten Umfragen finden Sie unter www.procurementletter.de/archiv


(4) IIR eProcurement Award - The winner is...

Mit dem 2. IIR eProcurement Award 2002 ist die H./G./K. Hotel- und Gastronomie-Kauf eG ausgezeichnet worden. Damit würdigte der Kongressveranstalter IIR Deutschland GmbH, deren innovative eProcurement-Lösung "hicos-online". Die Preisverleihung fand im Rahmen des 8. IIR Einkaufsleiterforums 2002 in Mainz statt. 

Die Einkaufsgenossenschaft H./G./K. bietet umfassende Dienstleistungen: Als Schnittstelle zwischen 380 Lieferanten und 1.700 Mitgliedern der Hotel- und Gaststättenbranche übernimmt das Unternehmen die Bündelung von Einkaufsmengen, die Einkaufsberatung sowie die Zentralregulierung von Rechnungen. Die neue eProcurement-Lösung "hicos-online", die H./G./K. gemeinsam mit der etermann Medien Dienstleistungs GmbH entwickelt hat, schafft dabei eine verstärkte Markttransparenz und trägt zu einer Optimierung der Geschäftsprozesse bei:
Auf der Internetseite der H./G./K. steht Mitgliedern, Lieferanten und Mitarbeitern nach Eingabe eines Passwortes ein geschlossener Bereich zur Verfügung. Hier können Mitglieder nach Produkten und Lieferanten suchen, ihre Bestellungen aufgeben und erfasste Belege einsehen. Lieferanten ihrerseits können in diesem Bereich die Darstellung ihrer Produkte pflegen, Mitgliedsdaten herunterladen und Angebote deklarieren. Unter den H./G./K.-Mitarbeitern profitiert vor allem der Aussendienst von hicos-online, da das Portal ihm stets Zugang zu aktuellen Lieferantendaten und Angeboten ermöglicht. "Dieses Projekt bietet mehr als einen Online-Katalog", so der Sprecher der Award-Jury, Dr. Hugo Eckseler, Leiter Zentraleinkauf der Wella AG. "Es ist eine auf Lieferanten und Mitglieder gleichermassen zugeschnittene Internetlösung, die nicht zuletzt beweist, dass eProcurement auch ausserhalb der Großindustrie lebt".

Ein IIR-Sonderpreis ging an Siemens A&D AS EWA, Amberg, für die eBusiness Lösung "eK@nKonsi". Dieser vom Internet unterstützte Beschaffungsprozess kombiniert die Kanban- und Konsignationsabwicklung, wobei dem Lieferanten die Versorgungsverantwortung obliegt: Bedarfs- und Bestandsdaten der Siemens AG A&D EWA werden dem Lieferanten täglich automatisch über das Internet (webbasiertes Verfahren Jonas III) übermittelt und für die Disposition bereitgestellt. Im Rahmen der vereinbarten Bestandsgrenzen entscheidet schließlich der Lieferant über Liefertermine und -mengen.

Die Award-Jury bewertete die eingesandten Konzepte nach folgenden Kriterien: innovativer Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens, Umsetzbarkeit und Übertragbarkeit, Originalität, Nutzen für das Unternehmen, innovative und nutzerfreundliche Technologie, positiver Einfluss auf die Kunden- und Lieferantenbeziehung, Mitarbeiterfreundlichkeit.


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Bis zur nächsten Ausgabe am 6. Juni 2002.

Herzliche Grüsse direkt von der e_procure 2002 aus Nürnberg

Ihr

Armin Pulic (Hrsg.)
www.procurementLETTER.de

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