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procurementLETTER Nr. 2/2001
p r o c u r e m e n t L E T T E R
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1. Jahrgang, Nr. 2/2001
Deutsche Bibliothek
6. Dezember 2001
ISSN 1618-5862
... AUS DEM INHALT DIESER AUSGABE...
(1) Zukunftsfähigkeit des Einkaufs - Lieferantenmanagement
(2) E-Vergabe präsentiert sich im Netz
(3) Umfrage des Monats: "Haben Sie bereits ein E-Procurement
System im Einsatz?
(4) Tipp:
Innovative Einkaufs-/Materialwirtschaftsabteilungen unter
einkaufshomepage.de
Der kostenlose procurementLETTER liefert Fachinformationen
rund um Einkauf, Beschaffung, (E-) Procurement an derzeit
über 2.500 Abonnenten...
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(1) Zukunftsfähigkeit des Einkaufs - Lieferantenmanagement
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Die Möglichkeiten der Informationstechnologie, insbesondere
das Internet stellen alle Firmen vor große Chancen und
Risiken. Wenn Sie überlegen wie sehr das Fax in den ver-
gangenen Jahren den Einkauf verändert hat. Aus heutiger
Sicht erscheint die Diskussion über die Rechtsverbindlichkeit
von Faxbestellungen lächerlich: Obwohl ein Fax ist nach wie
vor nicht rechtsverbindlich ist, werden praktisch fast alle
Bestellungen gefaxt.
Mit Sicherheit werden Sie sich in 10 Jahren darüber wundern,
wie schnell sich die Geschäftsprozesse und Märkte verändert
haben. Und wenn Sie auf die kleinen Signale in dem gerade
startenden Veränderungsprozess achten, können Sie heute
schon die Richtung und Auswirkungen erkennen.
Ja auch Märkte werden sich zum Beispiel durch Internet-
auktionen komplett verändern. Wenn Sie den Markt für
Kopierer anschauen, so ist das ein rückläufiger Markt. In
Zukunft wird fast nur gedruckt. Lieferanten von Kopierer
betreiben heute eine intensive Beratung und erarbeiten
kundenorientierte Lösungen. Dafür erwarten sie, dass die
Kopierer bei ihnen bestellt werden. Unter diesen Vo-
raussetzungen tut es dem Lieferanten natürlich sehr weh,
wenn der Kunde nach der Beratung weiß was er will und jetzt
seinen Bedarf an Kopierern per Internetauktion ausschreibt,
um den günstigsten Preis zu erzielen.
Die Frage taucht auf: Ist das fair? Ja, behaupte ich, denn
der Einkauf hat die Pflicht, alle Instrumente zu nutzen, um
die Kosten zu senken. Sie spielen mit Ihrem Arbeitsplatz,
wenn Sie die modernen Instrumente nicht nutzen. Also was
stimmt dann nicht?
Die Erwartung für eine Beratung den Auftrag über Kopierer
zu bekommen ist falsch; denn ein guter Einkäufer lässt sich
schon jetzt von mindestens 2 Lieferanten beraten. Dann zieht
auch einer den Kürzeren. Was wird zukünftig passieren? Die
Beratungsleistung wird wahrscheinlich kostenpflichtig werden
und Kopierer werden über Internetauktionen bestellt. Dann
könnte sich zum Beispiel der Vertrieb eines Kopierherstellers
als Beratungsunternehmen selbständig machen. Die Entwicklung
von Einkaufskooperationen für Kopierer (www.kopierpool.de)
ist wahrscheinlich.
Was gilt es zu lernen? Veränderungen lassen sich nicht
auf halten, vielmehr wollen Sie gestaltet werden. Zunehmend
schnellere Veränderungen werden der feste Bestandteil des
Erlebens eines Jeden. Veränderungen verunsichern heute noch
viele Menschen. Was hilft da?
Die Entwicklung einer gesunden Veränderungskultur im Unter-
nehmen und die erworbene Kompetenz der Mitarbeiter in den
Bereichen Grundlagenwissen, Fachwissen, Handlungskompetenz
und Teamleitung kann wertvolle Hilfe geben.
Für den Einkauf bedeutet das konkret, er muss Internet-
auktionen nicht nur kennen, sondern sie auch professionell
einsetzen können. Dazu muss er sich, wie wir in dem Bei-
spiel der Kopierer gesehen haben, grundlegende Gedanken
zum Lieferantenmanagement gemacht haben.
Denn Lieferantenmanagement ist die Kernkompetenz des Ein-
kaufs, die heute durch viele Probleme im Alltag vielfach
unterentwickelt ist. Unglaublich und doch wahr. Zu einem
entwickelten Prozess gehören quantifizierbare Ziele und
sinnvolle Messkriterien. Die Definition der Qualität in
einer Lieferantenbeurteilung als Summe der Reklamations-
zahl oder reklamierten Teile dividiert durch die Summe
der Bestellpositionen oder gelieferten Teile ist häufig
nicht sinnvoll. Das möchte ich an einem komplexen Schweiß-
teil mit Bearbeitung im Wert von 10.000 Euro deutlich
machen: Es wurde ein untoleriertes Loch gefunden, das zu
klein ist. Es lässt sich schnell und kostengünstig (1
Stunde) nacharbeiten. Der Lieferant würde nach dem obigen
Kriterium durch die Lieferantenbewertung fallen, wenn es
das einzige Teil war, das er lieferte (= 100% Ausschuss).
Sinnvoll wäre das Kriterium: Summe der Qualitätskosten
dividiert durch den Umsatz mit dem Lieferanten. In diesem
Beispiel wären das ca. 300 Euro (50 Euro Nacharbeit und 250
Euro Bearbeitungspauschale) dividiert durch 10.000 Euro
(= 3% Ausschuss).
Lieferantenmanagement umfasst
Lieferantensuche, -auswahl, -entwicklung, -beurteilung und
die Gestaltung der Lieferantenbeziehung. Und auch dafür sind
Kennzahlen notwendig. Habe ich Monopollieferanten? Wie viel
Lieferanten habe ich bei denen ich A-Kunde bin? Wie ist der
Beschaffungsmarkt für welche Warengruppe geartet? Wie viel
Lieferanten habe ich für die Lieferung von Produktions-
material? Habe ich Entscheidungskriterien und Bewertungen
für Investitionsgüterlieferanten?
All diese Dinge gilt es zu gestalten, denn in der Zukunft
werden Sie von entscheidender Bedeutung werden. Das Internet
macht die Märkte härter und schneller. Mit alten Methoden
weiter im Trüben zu fischen löst sicher nicht die Probleme.
Dadurch entsteht eine besondere Herausforderung an Führungs-
kräfte: Ihre Mitarbeiter zu selbständigem und selbstver-
antwortlichen Handeln zu führen und mit den Mitarbeitern
schnelle Veränderungen zu gestalten und durchzusetzen. Und
auch das geht nur mit quantifizierbaren, sinnvollen Kriterien.
Der Artikel will provozieren, zum Nachdenken anregen und
Impulse setzen.
[Der Autor: Jörg Köck, Geschäftsführer der IBS - Institut
für Beschaffungspraxis Strache GmbH, www.ibs-gut.de]
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(2) E-Vergabe präsentiert sich im Netz
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Berlin, November 2001 - Das Leitprojekt zur "Elektronischen
Vergabe von Aufträgen des Bundes" (E-Vergabe) ist jetzt im
Internet unter www.e-vergabe.info
präsent.
Um die öffentliche Beschaffung bis zur Auftragsvergabe voll-
ständig über das Internet abwickeln zu können, wird derzeit
eine webbasierte Plattform für die gesamte Bundesverwaltung
errichtet.
Durch Änderung der rechtlichen Rahmenbedingungen (Vergabe-
verordnung, Signatur- und Formvorschriftenanpassungsgesetz)
in diesem Jahr wird es möglich, elektronische Angebotsabgabe
und Auftragsvergabe von der Bekanntmachung bis zur Vertrags-
schließung über das Internet abzuwickeln. Erforderlich hier-
für sind jedoch qualifizierte elektronische Signaturen.
Das Leitprojekt E-Vergabe wird vom Bundesministerium für
Wirtschaft und Technologie in enger Abstimmung mit den
Bundesministerien des Innern und für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen mit bisher 4 Mio. Euro gefördert. Das
Bundesministerium der Verteidigung und das Bundesministerium
für Bildung und Forschung beteiligen sich mittlerweile eben-
falls. Das Bundesministerium der Finanzen und das Bundes-
ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nehmen
als Beobachter daran teil.
Bei zwei Bundesbehörden, dem Bundesamt für Bauwesen und Raum-
ordnung und dem Beschaffungsamt des Bundesministeriums des
Inneren werden auf der veränderten rechtlichen Basis die
Voraussetzungen geschaffen, die elektronische Vergabe zu Beginn
nächsten Jahres pilothaft zu erproben. Beide Ämter wurden
ausgewählt, um elektronische Beschaffungen nach unter-
schiedlichen Vergaberegeln (VOL, VOF und VOB) im Experiment
zu testen. Die Teilnahme weiterer Stellen, so aus dem nach-
geordneten Bereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Technologie und von Vertretern der Hermann Helmholtz-
Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, befindet sich in
Vorbereitung. [pr]
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(3) Umfrage des Monats
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Nehmen Sie aktiv an der aktuellen Umfrage teil und beant-
worten Sie die folgende Frage:
"Haben Sie bereits ein E-Procurement System im Einsatz?"
Ihr Stimme können Sie unter www.procurementLETTER.de jetzt
anonym abgeben.
Das Ergebnis der letzten Umfrage (Wurden Sie als "Einkäufer"
in Ihrer Berufspraxis schon einmal mit einem Bestechungs-
versuch konfrontiert?) liegt vor: mehr als 50% stimmten mit
JA! Das Ergebnis unter www.procurementletter.de/archiv
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(4) Tipp: Innovative Einkaufs-/Materialwirtschaftsabteilungen
unter einkaufshomepage.de
Unter der Adresse www.einkaufshomepage.de findet man ab
sofort eine Übersicht von innovativen Unternehmen, bei
denen der Einkauf eine eigene "Einkaufshomepage" hat. [ap]
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Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen? Dann empfehlen Sie
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Das Archiv des procurementLETTER sowie die Ergebnisse der
letzten Umfragen finden Sie unter:
http://www.procurementLETTER.de/archiv
Bis zur nächsten Ausgabe am 8. Januar 2002.
Mit vorweihnachtlichen Grüssen
Ihr
Armin Pulic (Hrsg.)
www.procurementLETTER.de
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