Hrsg. Armin Pulic
 

Deutsche Bibliothek ISSN 1618-5862

 
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procurementLETTER Nr. 1/2001


               p r o c u r e m e n t L E T T E R
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1. Jahrgang, Nr. 1/2001                  Deutsche Bibliothek
6. November 2001                              ISSN 1618-5862 


... AUS DEM INHALT DIESER AUSGABE...

(1) Was kommt nach E-Procurement?
    C-Commerce und E-Collaboration der Zukunft

(2) Bestechungsversuch im Einkauf?!
    Qualitätskodex und Ethikleitlinien gegen Korruption

(3) Umfrage des Monats:
    Wurden Sie als "Einkäufer" in Ihrer Berufspraxis schon
    einmal mit einem Bestechungsversuch konfrontiert?

(4) Tipp:
    Firmeninformationen unter 11833

 Der kostenlose procurementLETTER liefert Fachinformationen 
 rund um Einkauf, Beschaffung, (E-) Procurement an derzeit
 über 2.500 Abonnenten...

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(1) Was kommt nach E-Procurement?
    *****************************
    C-Commerce und E-Collaboration der Zukunft

 Nach E-Procurement und E-Commerce erfreuen sich die Begriffe
 "Collaboration Commerce" (C-Commerce) und "E-Collaboration"
 steigender Beliebtheit. Eine unabhängige Studie von TBC Re-
 search im Auftrag von J.D. Edwards ergab bereits im Jahr 
 2000, dass 80 % der europäischen Führungskräfte "Collaborative
 Commerce" für einen wichtigen zukünftigen Wettbewerbsfaktor
 halten: "In unserem Unternehmen wurden die internen Prozesse
 zum größten Teil automatisiert. Jetzt ist es an der Zeit, 
 sich auf die Automatisierung der unternehmensübergreifenden 
 Geschäftsprozesse, also Prozesse mit Kunden und Lieferanten,
 zu konzentrieren." 

 Definition

 Eine endgültige Definition von C-Commerce bzw. C-Business
 entwickelt sich gerade und wird von verschiedenen Autoren
 noch recht differenziert betrachtet. 

 C-Commerce beschreibt die internetbasierte, vernetzte 
 Zusammenarbeit (Collaboration) aller Beteiligten entlang
 der Wertschöpfungskette - vom Rohstofflieferanten bis zum
 Endverbraucher. C-Commerce ermöglicht dabei den umfassenden
 Informationsaustausch: Mitarbeiter können sich von jedem
 Punkt des unternehmensweiten Netzes austauschen. Prozesse
 mit mehreren Beteiligten werden optimiert und die kreative
 Zusammenarbeit gefördert. Der Zuwachs der Wertschöpfung 
 steigt überproportional mit der Anzahl der an der Wert-
 schöpfungskette Beteiligten: Eine Vielzahl scheinbar 
 marginaler Innovationen lässt sich so zum großen Durchbruch
 verbinden, was durch kleine Verbesserungen alleine nicht 
 erreicht worden wäre. 

 Eine Folge wäre z. B., dass der Wettbewerb nicht mehr 
 zwischen Unternehmen X und Unternehmen Y ausgetragen wird,
 sondern zwischen der Wertschöpfungskette X und der Wert-
 schöpfungskette Y.

 Abgrenzung

 Sicherlich kommen einem parallelen zu bereits bestehenden
 Konzepten (z. B. Supply Chain Management, ERP, EDI) in 
 den Sinn. Allerdings wird das "Collaboration" nicht als 
 neues Geschäftsmodell gesehen, sondern "C-Commerce soll 
 vielmehr die Effizienz und Abwicklungsgeschwindigkeit 
 von Unternehmensprozessen verbessern, und zwar sowohl 
 interner Prozesse als auch der am Leistungserstellungs-
 prozess beteiligten Partner wie Lieferanten, Partner-
 unternehmen und dem Handel - was letztlich allen im 
 jeweiligen C-Commerce-Netzwerk zugute kommen soll", so
 Andreas T. Frenko im OnlineMarketer Digest.

 Es geht hier also nicht um eine 1:1 Verbindung zwischen
 zwei Unternehmen, wie es beispielsweise beim EDI der
 Fall ist, sondern um eine hochintegrierte Gesamtlösung.

 Das neue am E-Collaboration ist also der Fokus auf alle
 Wertschöpfungsstufen und Geschäftsprozesse und nicht, wie
 bei den frühren Konzepten, auf einzelne Teilbereiche.

 C-Commerce bzw. E-Collaboration geht über das klassisches
 Supply Chain Management hinaus; also von der "Kette" des
 "Supply Chain" weg - hin zum Netz des kollaborativen, 
 unternehmensübergreifenden Netzwerkes.

 Bereits heute wird deshalb E-Collaboration als logischer 
 Nachfolger des E-Procurement gesehen.

 Anbieter

 Kleine C-Commerce Funktionalitäten werden teilweisen 
 von den Betreibern elektronischer Marktplätze angeboten. 
 Darüber hinaus tummeln sich selbstverständlich auch 
 größere Anbieter wie SAP, IBM (WebSphere) und Lotus
 (Domino) auf dem C-Commerce Markt.

 Beispiel

 Das klassische Beispiel für C-Commerce ist die Transora-
 Plattform (www.transora.com) von Procter & Gamble und
 weiteren Beteiligten.

 Herausforderung 

 In der Einführung kollaborativer Lösungen kommt es auf
 zahlreiche Aspekte an, die den Erfolg beeinflussen: 

 Eine absolute Sicherheit kann im "Collaborative Workspace",
 wie auch bei anderen unternehmensübergreifenden Anwendungen,
 nicht gewährleistet werden. 

 Mangelnde Datenqualität durch Informationsverweigerung bei
 unternehmensübergreifenden Projekten ist ein bekanntes
 Phänomen und tritt natürlich auch bei C-Commerce Aktivitäten
 auf.

 Viele Unternehmen habe noch keine Kooperationskultur ent-
 wickelt. Für viele Entscheider ist es derzeit nicht vor-
 stellbar, interne Informationen und Prozesse mit Dritten
 auszutauschen. Aber auch starre Organisationsstrukturen 
 müssen im kollaborativen Umfeld einer kreativen Zusammen-
 arbeit weichen - nicht immer ganz leicht für alle Be-
 teiligten.

 Rationalisierungspotenzial & Aussichten

 Die Potentiale des E-Collaboration werden nicht so plakative
 überzeichnet wie der berühmte mehrere hundert Mark teure Blei-
 stift, der durch E-Procurement realistische Preisregionen 
 annimmt. Für das E-Collaboration rechnen Experten mit einer
 20 bis 40 prozentigen steigenden Profitabilität in einem 
 Zeitraum von zwei Jahren. 

 Die "Gartner Group" stellt für das Jahr 2004 die These 
 auf: 90 % der Unternehmen, die C-Commerce nicht einsetzen,
 werden als Handelspartner das Nachsehen haben. 

 [Armin Pulic]

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(2) Bestechungsversuch im Einkauf?!
    *******************************
    Qualitätskodex und Ethikleitlinien gegen Korruption

 Die Ermittlungen und Festnahmen wegen Korruptionsverdachtes
 bei der Deutschen Bahn und deren Lieferanten machen deutlich:
 Die Berufsgruppe der Einkäufer ist besonderen Interessen-
 konflikten ausgesetzt. "Wir erleben immer wieder, dass Auf-
 träge über Bestechung generiert werden", so Dr. Holger 
 Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes 
 Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Dabei
 sei unerheblich, wer den ersten Schritt mache. Hildebrandt 
 weiter: "Ein Einkäufer steht im Fokus des Vertriebs. Ver-
 halten ist aber immer eine Frage des Charakters. Und der
 lässt sich durch Prophylaxe stärken." 

 Um das Risiko für die Unternehmen und den Einzelnen zu be-
 grenzen, haben der BME und seine Mitgliedsfirmen bereits 
 1996 in Ethikleitlinien Handlungsempfehlungen zu Vertrags-
 treue, zur Lösung von Interessenkonflikten und Vermeidung
 von Abhängigkeiten sowie zur Vertraulichkeit gegeben. 
 Gemeinsam mit der Deutschen Bahn entsteht derzeit ein 
 Qualitätskodex, der detailliert regelt, wie Vertragspartner
 miteinander umzugehen haben. Zudem strebt der BME die Ein-
 setzung eines Ombudsmannes als Ansprechpartner für seine
 rund 5.000 Mitglieder an. 

 Weitere Verbandsaktivitäten zur Vermeidung und Ahndung 
 von Vorteilsnahme sind round tables mit Einkäufern und 
 Lieferanten, ein Handbuch für Unternehmen und Hilfe-
 stellung bei der Erstellung von Dienstanweisungen. 
 Hildebrandt: "Dienstanweisungen müssen klar formulieren,
 was ein Unternehmen duldet und was nicht. Der Inhalt ist
 auch den Lieferanten offiziell zu übermitteln." 

 Der BME schlägt darüber hinaus geänderte Prämiensysteme 
 und job rotation in den Unternehmen vor, um so die Unab-
 hängigkeit des Einkäufers zu stärken. Auch Verpflichtungs-
 erklärungen der Lieferanten sollten Usus werden. 

 Die äußerst aktive Region Nürnberg-Mittelfranken des BME
 hat bereits für den Februar 2002 eine Vortrag mit dem
 Titel "Kann man auch dann wirtschaftlich erfolgreich sein,
 wenn man ethisch korrekt handelt?" ins Veranstaltungs-
 programm aufgenommen. [pr]

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(3) Umfrage des Monats
    ******************

 Nehmen Sie aktiv an der aktuellen Umfrage teil und beant-
 worten Sie die folgende Frage:

   Wurden Sie als "Einkäufer" in Ihrer Berufspraxis schon
   einmal mit einem Bestechungsversuch konfrontiert?

 Ihr Stimme können Sie unter http://www.procurementLETTER.de
 jetzt anonym abgeben. 

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(4) Tipp: Firmeninformationen unter 11833
    *************************************

 Die Deutsche Telekom hat das Dienstleistungsangebot ihrer
 Telefonauskunft erweitert. Unter der Nummer 11833 können ab
 sofort auf Wunsch die wichtigsten Eckdaten von nahezu allen
 deutschen Unternehmen abgefragt werden. Unter dem Stichwort
 "Firmeninformation" können Sie u. a. eine Tätigkeitsbe-
 schreibung des Unternehmens, Mitarbeiterzahlen, Geschäfts-
 führer und Vorstände erfragen. Die Kosten für diesen 
 Informationsdienst belaufen sich auf rund 1,93 DM pro
 Minute. [pr]

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Bis zur nächsten Ausgabe am 6. Dezember 2001. 

Herzlichst

Ihr
Armin Pulic
Herausgeber www.procurementLETTER.de



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